Aufgaben wirksamer Unternehmensführung (Teil 3) - Entscheidungen richtig treffen

von Peter Knappmann, 10.04.2018

Entscheidungen treffen ist eine typische Aufgabe von Führungspersonen, vor allem aber ist sie eine kritische Aufgabe. Führungspersonen sind diejenigen, die in ihrem Beruf in irgendeiner Art und Weise Entscheidungen fällen müssen. In der Praxis habe ich oftmals beobachtet, dass es allerdings noch am richtigen Gebrauch von wesentlichen und folgenreichen Entscheidungen mangelt und die Realisierung oft scheitert. Denn, wenn es um Entscheidungen geht, haben viele Führungskräfte keine brauchbare Entscheidungsmethodik, keine sorgfältige Herangehensweise, sie folgen Irrtümern, Missverständnissen und Fehlern. Im Folgenden möchte ich Ihnen sechs Fehler in so einem  Entscheidungsprozess erläutern:

1. Das Problem wurde nicht begriffen

Die erste und wichtigste Aufgabe im Entscheidungsprozess ist, das Problem zu begreifen. Ein Problem ist nie klar, sondern Sie müssen es erst herausfinden. Dies erfolgt mittels Daten, Vermutungen, Behauptungen und vagen Vorstellungen. Worum geht es hier wirklich? Sie müssen das Problem zunächst begreifen und verstehen, um eine Lösung zu finden, wie z.B. bei Textaufgaben im Schulunterricht. Hier werden Punkte nach zwei Kategorien vergeben, ob erstens das Problem richtig verstanden und zweitens die Gleichung richtig gelöst wurde.

2. Zu schnelle und intuitive Entscheidungen

Viele und schnell getroffene Entscheidungen machen nicht direkt eine gute Führungskraft aus. Gute und effektive Manager treffen wenige Entscheidungen, diese aber mit Bedacht und Sorgfalt.  Dennoch haben Entscheidungen immer Folgen, sowohl positive als auch negative. Eine Korrektur eines Entscheidungsfehlers bedeutet allerdings, immer mehr Arbeit, Energie, Zeit und Geld zu investieren als für eine arbeitsintensive Entscheidung selbst nötig gewesen wäre.

Gute Führungskräfte wissen, dass sie sich nicht auf ihre Intuition verlassen dürfen, da sie sich als falsch erweisen kann. Sie wissen auch, dass schnelle Entscheidungen dann gut getroffen werden können, wenn sie auf Wissen, Erfahrung und jahrelangem Training beruhen. Tempo und Gründlichkeit sowie Urteilskraft sollten Sie dabei stets abwägen. Außerdem sind Erfahrung und sehr viel Sachkenntnis nötig. Einige Erfahrungen aus der Praxis haben mich gelehrt, dass vor allem Personalentscheidungen und Entscheidungen über Entlohnungssysteme langsam und gründlich zu treffen sind.

3. Zu wenige Alternativen

Oftmals geben Führungskräfte sich viel zu schnell mit vorliegenden Alternativen zufrieden, als noch nach weiteren Alternativen zu suchen. Sie sollten sich niemals mit der erstbesten Lösungsvariante einer wirklich wichtigen Entscheidung zufriedengeben, sondern durch ein Angebot an Alternativen gewissenhaft Ihre Entscheidungen treffen.

4. Fehlende vorausschauende Realisierung und Umsetzung

Wurde eine Entscheidung getroffen, muss diese auch realisiert werden. Sie müssen Entscheidungen treffen, protokollieren und verkünden. Die Realisierung ist daher im Entscheidungsprozess dringend zu beachten und geht einher mit der Umsetzung. Hier kommt es auf die Art der Umsetzung an, da eine Entscheidung in dieser Phase auch oftmals missverstanden und sabotiert wird.

Gute und wirksame Führungspersonen denken daher schon im Entscheidungsprozess an die Realisierung. Denken Sie an die zu konfrontierenden Personen und was diese Leute wissen müssen damit die Entscheidung verstanden und richtig umgesetzt wird. Am besten sie beziehen diese Personen schon in den Entscheidungsprozess mit ein, um eine spätere Realisierung zu ermöglichen.

5. Zu schneller und früher Konsens

Am Schluss des Entscheidungsprozesses ist Konsens wichtig, also die übereinstimmende Auffassung aller Beteiligten. Dadurch ist die Realisierungschance der Entscheidung viel höher. Dennoch sollten Sie nicht zu früh und zu schnell einen Konsens herbeiführen. Oftmals bedeutet eine zu frühe Übereinstimmung der Beteiligten, dass nicht gründlich genug gearbeitet wurde und im Hintergrund bestehen die unterschiedlichsten Meinungen, die dann bei einer späteren Fragestellung aufkommen.

Gute und wirksame Führungspersonen wollen im Voraus die unterschiedlichen Meinungen hören, um letztendlich eine Entscheidung zu treffen, die auch noch in der Umsetzungsphase trägt.

6. Zu komplizierte Entscheidungsfindung

Oft glauben vor allem junge Führungskräfte, dass nur komplizierte Methoden zu einer guten Entscheidung führen würden. Die Frage ist aber nicht, ob etwas faszinierend oder beeindruckend ist, sondern ob es wirksam ist. Wie Sie einen Entscheidungsprozess besonders sorgfältig, gründlich und gewissenhaft vollziehen können, wollen wir Ihnen im nächsten Teil dieses Formats genauer erläutern.

Text: Lena Knappmann / Bild: AdobeStock

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