Digitale Baustelle: Möglichkeiten digitaler Geländemodelle (DGM) im Erd- und Tiefbau

von Christof Miß, 13.02.2019

Das digitale Zeitalter schreitet unaufhöhrlich voran. Immer mehr Möglichkeiten zur Arbeitserleichterung durch digitale Prozesse können in Unternehmen integriert werden. Darunter fällt auch das digital erstellte Geländemodell (DGM). Insbesondere im Erd- und Tiefbau können, unter bestimmten Vorrausetzungen, DGMs genutzt werden. Doch wie sehen diese Vorrausetzungen und Nutzungsmöglichkeiten aus? Wie kann diese Art der Digitalisierung im Arbeitsalltag und im Baustellenprozess sinnvoll eingesetzt werden?  

Ein digitales Geländemodell beschreibt zunächst nichts anderes als eine dreidimensionale Oberfläche, erstellt aus Nord- und Ostkoordinaten sowie der jeweiligen NHN-Höhe, welche in der Regel durch Aufmaße des jeweiligen Geländes erfasst werden. Denn nur selten liegt eine bereits georeferenzierte DWG-Datei vor. Daher ist eine computergestützte Aufbereitung von Ausführungsplänen und Aufmaßen für den späteren Einsatz der Modelle unerlässlich. Hierbei ist der Aufwand im Büro nicht zu unterschätzen, da die Höhenpunkte bearbeitert, erweitert und durch Modellierungen ergänzt werden. Die Fehler an diesem Punkt der Prozesskette, können sich später auf den gesamten weiteren Projektablauf auswirken und bergen ein hohes finanzielles Risiko. Aus diesem Grund sind ein genaues und gewissenhaftes Arbeiten und ein implementierter Kontrollmechanismus sehr wichtig. Die anschließenden Möglichkeiten zur Weiterverarbeitung sind jedoch vielfältig. So können z.B. die DGMs zur Bestimmung von Fließrichtungen und der daraus hervorgehenden Simulation von Wasserabflüssen genutzt werden. Ein weiterer Nutzen liegt in der Arbeitsvorbereitung, die einen elementaren Prozess innerhalb der Projektabwicklung darstellt. Mit Hilfe der Geländemodelle werden geplante Schichtaufbauten simuliert und daraus errechnete Kubaturen zur vorläufigen Massenermittlung und Materialbestellung genutzt.

Der wohl größte Vorteil liegt allerdings in der Baustellenabwicklung vor Ort. Optimierte Fertighöhenmodelle können zur zentimetergenauen digitalen Raupen- und Baggersteuerung eingesetzt werden und sparen so unter anderem wertvolle Arbeitszeit. Es ist aber projektbezogen zu prüfen in wie weit sich der Mehraufwand im Büro oder durch einen Dienstleister rechnet. Darüber hinaus haben diese Arbeitsweisen einen weiteren positiven Nebeneffekt: Mitarbeitermotivation. Die Neugier liegt in der Natur des Menschen und in der Regel interessieren sich Mitarbeiter für moderne Techniken und Arbeitsweisen. Wenn sie diese auch einsetzen können und eine Arbeitserleichterung und Verbesserung erkennen, werden sie automatisch zufriedener und motivierter zu Werke gehen.

Denken Sie mal darüber nach, wäre es bei Ihnen anders? Der Nutzen für ausführende Unternehmen liegt also auf der Hand. Wie sieht es jedoch mit dem Nutzen für Auftraggeber und Kunden aus?  

Auch hier ergeben sich verschiedenste Vorteile. Neben der offensichtlichen plangenauen Ausführung der Bauwerke, steigt auch die Qualität und Prüfbarkeit bei der Abrechnung von Kubaturen und Volumen. Mit Hilfe von digital berechneten Differenzkörpern aus verschiedenen Geländeebenen und daraus resultierenden Auftragsprofilen, bekommen Auftraggeber eine sehr genau dargestellte sowie leicht nachvollziehbare Mengenermittlung. Darüber hinaus können diese Kubaturen mit Hilfe der DGMs visualisiert, gegenüber dem Kunden verständlicher präsentiert und so Unklarheiten einfacher aus der Welt geschaffen werden. Dies kann sogar schon vor Baustart geschehen. Nicht zuletzt sind genutze DGMs ein Grund für die bereits angesprochenen Zeitersparnisse auf den Baustellen, welche sich wiederum positiv auf die Kosten für Auftraggeber und Kunden auswirken werden.  

Man kann also sehen, dass sowohl Auftragnehmer als auch Auftraggeber, vom Einsatz digitaler Geländemodelle profitieren. Digitale Baustellenabwicklung bedeutet somit zukunftsorientiertes und innovatives Arbeiten. DGMs stetig zu verbessern und zu optimieren sollte ein festes Ziel in der digitalen Baustellenabwicklung eines Unternehmens sein, sodass es irgendwann nichts weiter als gelebte Routine ist, welche die unterschiedlichsten Prozesse  erheblich vereinfachen kann.

Text: Christof Miß / Foto: AdobeStock

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