Digitalisierung auf der Baustelle: Die Vorteile des digitalen Absteckens im Überblick

von Christopher Kuhl, 04.04.2018

Wir bei KNAPPMANN bearbeiten im Geschäftsbereich Neubau überwiegend Großprojekte, angefangen von der Baufeldräumung über den Erdbau, die Kanal- und Entwässerungsarbeiten bis hin zum Wegebau. Aufgrund der Größenordnung befinden sich diese Projekte oftmals im freien Gelände, wie z. B. das Projekt "Kurpark Xanten" oder das Wegebauprojekt "Grüne Harfe" in Essen. Gerade bei solchen Projekten ist das analoge Abstecken, beispielsweise eines Wegeverlaufs, mit herkömlichen Methoden wie Bandmaß, Schnur und Winkel, sehr aufwendig bzw. garnicht möglich. Oftmals fehlen die Bezugsmöglichkeiten wie Gebäudefluchten oder Höhenfestpunkte. Hinzu kommt, dass beim analogen Abstecken über große Entfernungen, die Ungenauigkeiten zunehmen.

Die Lösung dieser Probleme bietet das digitale Abstecken. Hier kommt, mit Roverstab (Arbeitet mit GPS) und Totalstation (Arbeitet mit Höhenfestpunkten und Prisma) bzw. dem Hybrid Positioning, modernste Vermessungstechnik zum Einsatz. Die Hybrid Positioning ist dabei eine Kombination aus Roverstab und Totalstation, bei der mithilfe von GPS, eigene Höhenfestpunkte auf der Baustelle festgelegt werden, über die die Totalstation ihren Standpunkt errechnet.

Zur näheren Erläuterung dieser Methoden, wollen wir Ihnen im Folgenden das Vorgehen bei KNAPPMANN vorstellen:

1.Digitale Aufarbeitung der Plandatei

Zunächst wird die vom Auftraggeber bereitgestellte DWG_Plandatei digital aufgearbeitet. Der hierbei entstehende Zeitaufwand ist stark von der Qualität der DWG Datei abhängig. Bei Plänen die nicht in 3D gezeichnet sind, müssen alle Planelemente (Höhenpunkte, Linen etc.) auf die richtige NHN-Höhe verschoben werden, um ein dreidimensionales Abbild der Baustelle zu erhalten. Außerdem muss die Plandatei oftmals noch georeferenziert werden. Hierfür müssen alle Planelemente an die richtige Stelle im UTM- bzw. Gauss-Krüger-Koordinatensystem verschoben werden. Problematisch wird es jedoch, wenn sich z. B. Planhöhen oder Wegeverläufe nachträglich ändern. Diese Änderungen können nur mit einem enormen Zeitaufwand in den bereits bestehenden digitalen Absteckplan eingearbeitet werden.

2.Weitergabe der Datei an die Vermessungssoftware

Ist der digitale Absteckplan fertig, wird die Datei an unsere Topcon Vermessungssofware weiter gegeben und auf die Vermessungsinstrumente aufgespielt.

3.Genaues Abstecken durch Digitalisierung

Nun können Punkte und Linien in sekundenschnelle mit einer exzellenten Genauigkeit abgesteckt werden.

Das digitale Abstecken birgt einige Vorteile, wie z. B. das provisorische Abstecken von Wegeverläufen oder späteren Gebäudeeckpunkten während eines Ortstermins. So erhalten unsere Auftraggeber schon in einem frühen Stadium des Baufortschritts einen Eindruck, wie sich z. B. ein Weg in das Gelände einfügt.

Um bei der digitalen Absteckung in allen Arbeitsschritten einen reibungs- und fehlerlosen Ablauf zu gewährleisten, werden unsere Baustellenleiter und Bauleiter regelmäßig in diesem Bereich geschult. Dabei arbeiten wir eng mit unserem Topcon-Ausrüster, dem Unternehmen AP Deuschland, zusammen.

Das digitale Abstecken bekommt in Zukunft eine immer größere Bedeutung. Obwohl diese Methode bei der Arbeitsvorbereitung Kapazitäten im Büro bindet, ist die Wirtschaftlichkeit gegeben. Unsere Erfahrung hat ergeben, dass die Produktivitätssteigerung auf der Baustelle die im Büro aufgebrachte Zeit mehr als nur ausgleicht.

Text: Lena Knappmann / Bild: AdobeStock

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