Honigtau bei Lindenbäumen - Das Ärgernis aller Verkehrsteilnehmer

von Wolfgang Denne, 22.05.2019

Unter den Linden – Der Name lässt uns an die Prachtstraße in Berlin denken. Doch, was vor allem Auto- und Fahrradfahrern durch den Kopf geht, ist wohl das klebrige Zeug in den Sommermonaten. Die tropfenden Linden verkleben jedes Jahr alles was unter ihnen liegt - Autos, Fahrräder, Sitzmöbel usw. Schlimmstenfalls kommt es zu Schäden im Autolack und sogar zur Bildung von Rußtaupilzen. In dem Honigtau der Linden haftet natürlich alles sehr gut, sei es Staub oder Blütenpollen. Daher ist das regelmäßige entfernen des Films ein wichtiger Punkt. Wenn Sie nicht zu den Autofahrern unter uns gehören kennen Sie das Phänomen garantiert aus Parkanlagen. Sie möchten sich gerne im Schatten auf einer Parkbank ausruhen, doch schon der Weg zur Parkbank lässt Schlimmes erahnen. Sie kleben quasi schon mit den Schuhen am Wegebelag fest und ein prüfender Blick auf die Parkbank lässt Ihre schlimmste Vermutung wahrwerden - ein gemütliches Ausruhen ist undenkbar.

Wenn über dieses Thema geredet wird, fallen oft die Begriffe Blütennektar, Blattläuse und Honigtau. Die Meinung vieler ist bis heute, dass die klebrige Masse von den Bäumen, in diesem Fall von den Linden, kommt. Daher ist auch die Pflanzung von Linden in Bereichen von Parkplätzen oder Parkanlagen verpönt. Auf Nachfrage wird meistens dann der Blütennektar als Problem beschrieben. Diese sind allerdings nicht allein das Problem!

Wie so oft sind es mehrere Faktoren, die zu der Bildung des klebrigen Films führen. Richtig ist, dass im Sommer, dem Blütenhöhepunkt der Linden, dieses Phänomen auftritt. Zu erwähnen ist allerdings auch, dass zu dieser Zeit auch die Population der Blattläuse ihren Hochpunkt hat. Richtig ist ebenfalls, dass die klebrige Masse von den Blattläusen stammt. Die Blattläuse saugen an den nährstoffreichen Blattadern der Linden und verwerten von dem nährstoffreichen Saft nur einen kleinen Teil, den niedrig konzentrierten Eiweißanteil. Der Rest des Saftes, der aus Zuckersaft besteht, wird von den Blattläusen ausgeschieden und ermöglicht den bekannten, klebrigen Effekt.

Oft wird in diesem Zusammenhang auch über die Intensität des tropfenden Nektars diskutiert und es wird gesagt, dass es beispielsweise im vorherigen Jahr nicht so schlimm war. Dieses Meinungsbild kann nicht bundesweit angewendet werden, da die Intensität abhängig von der jeweiligen Witterung ist. Umso mehr es geregnet hat, desto weniger nimmt man dieses Problem wahr. Hintergrund dazu ist, dass durch den Regen, bzw. durch Niederschläge im Allgemeinen, ein Teil der Blattläuse von den Bäumen abgespült wird und der klebrige Saft dadurch verdünnt wird. So wird er je nach Witterungsverhältnis im entsprechenden Jahr nicht mehr wahrgenommen.

Die zu Beginn angesprochenen Schäden an Fahrzeugen, die sich oft durch schwarze Stellen äußern, entstehen durch die Verbindung des Honigtaus mit der Sonneneinwirkung, die zur Bildung von Rußtaupilzen führen. Wenn sich auf Ihrem Auto also Honigtau befindet und es sich auch bereits schwarze Stellen bilden, sollten Sie schleunigst handeln und Ihr Fahrzeug säubern.

Den Honigtau zu verteufeln ist allerdings der falsche Ansatz. Zwar stellt er ein Ärgernis dar, ist allerdings auch in Teilen eine Überlebensgrundlage. Denn vom Honigtau ernähren sich neben Ameisen auch Bienen. Wenn Sie also wieder einmal auf die klebrige Masse stoßen, sollte Sie sich den Baum über Ihnen vorher genau ansehen. Denn es ist nicht nur die Linde, auf der die Blattläuse sich niederlassen, auch der Ahorn ist betroffen. Um das klarzustellen: Die Blattläuse lassen sich gerne auf der Sommer-Linde, aber auch auf dem Berg- und Spitzahorn nieder. Haben Sie also eine Linde im Garten stehen, die Sie auch nicht entfernen möchten, so können wir Ihnen die Empfehlung aussprechen, den Honigtau immer schnell mit lauwarmen Putzwasser zu entfernen. So können Sie Ihr schattiges Fleckchen unter den Linden auch im Sommer genießen.

Text: Lena Knappmann / Bild: Adobe Stock

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