Neophyten - Das indisches Springkraut

von Franziska Hübner, 12.06.2019

Die Verschleppung und Ausbreitung von Lebewesen lässt uns an die noch aktuelle Flüchtlingssituation denken - Jedoch befinden wir uns hier auf einem Landschaftsbau-Blog. Was ist Neobiota, was sind Neophyten und was hat das Springkraut damit zu tun? Im Zusammenhang mit den zu Beginn genannten Begriffen wollen wir Ihnen in diesem Blogpost mehr über all das erzählen.

Der Begriff Neobiota setzt sich aus den Wortstämmen Neo (neu) und Bios (Leben) zusammen und definiert Arten, die sich in einem neuen Gebiet etabliert haben, indem sie zuvor nicht heimisch waren. Diese Verbreitung erfolgt entweder mit oder ohne unsere, also menschliche, Einflussnahme. Weitergehend handelt es sich bei Neophyten um spezifische Pflanzenarten, die durch den menschlichen Einfluss in der Neuzeit (seit 1492) ins Land eingeführt wurden. Sie werden auch als kritische Arten angesehen, wogegen Archäophyten, Alteinwanderer, vor 1492 eingeführt wurden und eher bedrohte Arten umfassen.

Neophyten kommen am häufigsten in städtischen Ballungsgebieten und entlang von Fluss- und Stromtälern vor. Die Einwanderung von Neophyten erfolgt vor allem über die Vektoren bzw. Transportmittel der Welthandelswege des Güterverkehrs und der Luftfahrt. Dabei führt die unbeabsichtigte Verschleppung von Neobiota im Frachtgut zu einer erhöhten Anzahl von Neobiota im Land. Neophyten haben eine gute Anpassungsfähigkeit, zeichnen sich durch eine hohe Fortpflanzungsrate aus und haben eine intensivere Assoziation mit Menschen.

Laut einer in 2015 veröffentlichten Studie wurden mindestens 13.186 Pflanzenarten durch menschliche Einflussnahme aus ihrem ursprünglichen Lebensraum in andere Regionen verschleppt und schließlich dort heimisch. Deutschland verzeichnet zurzeit 687 nicht einheimische Pflanzenartensippen. Grundsätzlich gibt es keine merklich negativen Auswirkungen durch Neobiota auf den Menschen. Allerdings üben manche Neobiota einen negativen Einfluss auf die Biodiversität des neuen Lebensraums aus, welche wirtschaftliche Schäden durch Forst-, Uferschutz- und Landwirtschaftsschädlinge zur Folge haben. Zum Teil gibt es auch eine absichtliche Aussetzung von Neophyten zur biologischen Schädlingsbekämpfung. Invasive Arten haben eine hohe Bedeutung für die Globalisierung und werden zum Teil von staatlichen Behörden beobachtet.

Das drüsige Springkraut (Impatiens glandulifera Royle) ist ein invasiver Neophyt, der vor 150 Jahren als Gartenpflanze aus dem westlichen Himalaja nach Europa eingewandert ist. Das indische Kraut war vor allem als Zierpflanze beliebt oder wurde von Imkern als Bienenweide genutzt. Es handelt sich um eine auffällige, über zwei Meter hohe und rot blühende Pflanze mit Blüten und Samenkapseln, die ihre Blütezeit von Juni bis etwa Ende Oktober hat. Sie verbreitet sich an feuchten bis nassen und nährstoffreiche Standorte in luftfeuchter Lage, wie beispielsweise in feucht-schattigen Waldschluchten oder an Gewässerufern. Sie vervielfältigt sich durch einen Schleudermechanismus ihrer Samenkapseln und verdrängt durch ihre flächenhafte Ausbreitung einheimische Pflanzenarten. Die Bekämpfung des Springkrauts erfolgt durch die Verhinderung der Bildung und Reifung von Samen durch eine jährliche Mahd bzw. Rückschnitts vor der Blüte.

Text: Lena Knappmann / Bild: AdobeStock

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