Wie der Weihnachtsbaum in unsere Wohnzimmer kam

von Thorsten Kemmerich, 05.12.2018

Familie, Freunde, Plätzchen, leckeres Essen, Geschenke, beleuchtete Fenster – Was verbinden Sie mit Weihnachten? Haben Sie schon einmal einen Weihnachtsbaum ausgesucht, sogar vielleicht selbst geschlagen – oder haben Sie bereits einen Baum im Wohnzimmer stehen? Bald schmückt der Weihnachtsbaum wieder unsere Wohnzimmer und der Tannenzweigenduft vervollständigt das Weihnachtsgefühl.

Doch wissen Sie eigentlich wie der Weihnachtsbaum seinen Weg in unsere Wohnzimmer fand?

Tatsächlich hat der Weihnachtsbaum seinen Ursprung in Bräuchen verschiedener Kulturen. Laut einem heidnischen Brauch symbolisierte der immergrüne Baum Fruchtbarkeit und Lebenskraft. Die Kirche wiederum instrumentalisierte den Weihnachtsbaum, um die Vertreibung der Menschen aus dem Paradies zu versinnbildlichen. Rote Früchte stellten die Frucht dar, die Eva zur verbotenen Mahlzeit verführte und werden heute durch Christbaumkugeln ersetzt. Da früher nicht alle Leute lesen und schreiben konnten, symbolisierte ein immergrüner Baum, wie der Buchsbaum, Rosmarin oder Wacholder, die Hoffnung, dass die Natur immer wiedererwachen wird. So wurde der Baum auch oftmals zur Hälfte mit Äpfeln und zur anderen Hälfte mit Passionskreuzen geschmückt. Mit diesem Schmuck stellte der Baum einerseits die Vertreibung aus dem Paradies, die das Unglück über die Menschheit brachte, dar und andererseits wurde der Geburtstag Christi dargestellt, welcher durch seine Kreuzigung und Auferstehung dieses Unglück wieder von der Menschheit genommen hatte.

Der erste dokumentierte und geschmückte Weihnachtsbaum tauchte im 16. Jahrhundert auf. Der Brauch wurde zunächst nur von wohlhabenden Bürgern adaptiert, da Tannenbäume eine kostspielige Angelegenheit waren. Fürsten und Auswanderer trugen dann ihren Teil dazu bei, dass dieser Brauch europaweit ausgebreitet wurde. Weiterer Schmuck, wie Kerzen, stellten Hoffnungsträger dar und wurden im Zuge der Modernisierung von elektronischer Beleuchtung abgelöst. Der Schmuck, so wie wir ihn heute kennen, entstand erst im 19. Jahrhundert. Nach und nach wurden auch mundgeblasene Glaskugeln in den verschiedensten Farben als Dekoration verwendet.

In Deutschland wird die Nordmanntanne als Christbaum verwendet. Mittlerweile wird zunehmend auf regionale Tannen zurückgegriffen. Erwähnenswert ist, dass ein Großteil der Weihnachtsbäume nicht mehr als Naturprodukt im Wald auftaucht, sondern auf eigenen Plantagen angebaut wird. Wie die eigene Ernte auf einem Erdbeerfeld im Sommer, wird auch bei einigen Plantagen angeboten, seinen Weihnachtsbaum selbst zu schlagen. Tatsächlich ist das ein sehr schöner Familienausflug.

Können Sie sich noch ein Weihnachten ohne einen Weihnachtsbaum vorstellen?  

Text: Lena Knappmann / Bild: Adobe Stock

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