Wirksame Unternehmensführung (Teil 5) - Vertrauen als Führungsgrundsatz

von Peter Knappmann, 25.10.2017

Das Betriebsklima ist das subjektive Erleben der Mitarbeiter eines Betriebes. Ein gutes oder schlechtes Betriebsklima äußert sich in der Mitarbeiterzufriedenheit und dem entsprechenden positiven oder negativen Leistungsverhalten.

Hier kommt es auf die Führungskräfte an. In einem Unternehmen, in dem die Führungskräfte ihr Führungsverhalten lehrbuchgemäß ausrichten, kann trotzdem ein schlechtes Betriebsklima herrschen. Ebenso kann in einem Unternehmen, in dem die Führungskräfte laut dem Lehrbuch alles falsch machen, ein sehr gutes Betriebsklima herrschen.

Folglich liegt der Schlüssel nicht in irgendwelchen Vorgaben oder Lehren, sondern in dem Faktor Vertrauen. Denn, wenn eine Vertrauensbasis vorliegt, dann gibt es auch meistens ein gutes Betriebsklima sowie eine ausgewogene Unternehmenskultur. „Vertrauen wird dadurch erschöpft, dass es in Anspruch genommen wird.“, sagte Berthold Brecht. Durch das Vertrauen wird eine Beziehung zunächst belastbar. Mit der Zeit wird sie robuster gegen vorkommende Führungsfehler und kann schwierige Situationen aushalten. Die Qualität einer jeden Beziehung in jeder Lebenslage liegt somit darin, dass Konflikte lösbar und Schwierigkeiten zu verkraften sind.


Wie schafft man Vertrauen?


Bei Neuzugängen wird dem Chef durch die neuen Mitarbeiter ein Vertrauensvorschuss zugestanden. Um dieses Vertrauen, auch bei bestehenden Mitarbeitern nicht zu verspielen, sollte auf Folgendes geachtet werden:


Fehler der Mitarbeiter sind Fehler des Chefs
Eine Führungskraft kann seinen Mitarbeiter vor Kunden sowie höherstehenden Kollegen nicht bloßstellen, ohne das Vertrauen einzubüßen. Der Mitarbeiter muss sich auf die Unterstützung des Chefs verlassen können. Natürlich sollte Kritik in einem persönlichen Gespräch geäußert werden.


Fehler des Chefs sind Fehler des Chefs
Ein Chef kann nicht seine eigenen Fehler auf seine Mitarbeiter abwälzen ohne die Vertrauensbasis zu beschädigen.


Erfolge der Mitarbeiter gehören den Mitarbeitern
Ebenso sollte sich eine Führungskraft nicht mit den Erfolgen seiner Mitarbeiter schmücken.


Aufmerksam zuhören
Selbst die ungeduldigste Führungskraft sollte seinem Mitarbeiter aufmerksam und konzentriert zuhören. Denn das schafft eine Vertrauensgrundlage und weitet das Vertrauen aus.


Echt sein
Eine Führungskraft sollte zu ihren ‚Ecken‘ und ‚Kanten‘ und zu ihrer Persönlichkeit stehen. Sie sollte somit nicht die Rolle einer Führungskraft spielen, sondern sie ausfüllen und sogar leben.


Charakterliche Integrität
Wenn eine Führungskraft etwas sagt, dann muss sie es auch so meinen. In Gesellschaftsspielen gelten Regeln und ebenso muss ein Wort gelten, auf das man sich dann verlassen kann.


Trennung von Integranten
Integranten vergiften die Arbeitsatmosphäre und wehren jeglichen Vertrauensaufbau ab. Von diesen Leuten sollte man sich sofort trennen.


Vertrauen kann aufgebaut, gewonnen, erhalten sowie auch ruiniert werden. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass Vertrauen niemals blind eingegangen oder mit Kontrolle verwechselt wird. Die Grundlage und Ausgangsbasis einer jeden Führungskraft sollte es sein, soweit wie möglich bis an die Grenze zu vertrauen. Hierbei sollte die Führungskraft jedoch sicherstellen, dass sie jederzeit von einem Vertrauensmissbrauch erfährt, ebenso wie Mitarbeiter und Kollegen. Außerdem sollte ein Vertrauensbruch Folgen nach sich ziehen und die Mitarbeiter sollten das unmissverständlich zur Kenntnis nehmen.

Das Vertrauen sowie die Schaffung von Vertrauen sind Themen, die jede Führungskraft etwas angehen. Vertrauen verlangt Offenheit, Geradlinigkeit, Disziplin sowie Integrität. Vertrauen ist ein wichtiger Grundstein in jeder Beziehung.

Text: Lena Knappmann



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